Kampf der Piraten

Über die Piratenparteien und ihren Kampf für die freie Kommunikation

Die Gesichter der Piratenparteien

Verfasst von: mariohtw - Dezember 23, 2012

Lange habe ich darüber nachgedacht, was ich als Nächstes in meinem Blog schreiben soll. Wieder einer der Forderungen näher beleuchten? Aktuelle Geschehnisse aufgreifen? Ich denke, es ist ein guter Zeitpunkt einmal die Personen zu präsentieren, die hinter der Partei stehen, damit man von den Parteien auch einen Gesicht erhält. Von wo kommen sie her? Wie ist ihr Werdegang? Vielleicht gibt es auch interessante Zusammenhänge zu entdecken.

Am geeignetsten ist es wohl, als erstens den Gründer der ersten Piratenpartei, die Piratpartiet, vorzustellen. Rick Falkvinge ist 40 Jahre alt und ist in Gothenburg (Schweden) geboren. Er hat Naturwissenschaften studiert und hatte schon früh seine Faszination an der Technology entdeckt. Er fing an Computern, wie der Commodore 64, auseinander zu nehmen und das Innenleben der Maschinen durchzustudieren. Er besuchte sogenannte „Copyparties“, wo man einander Daten auf Disketten austauschte. Mit 16 Jahren hatte er bereits ein Unternehmen gegründet. Später arbeitete er in der Softwareentwicklung. Nachdem er bei der Firma Sendit arbeitete und diese kurze Zeit später von Microsoft aufgekauft worden ist, wurde er zum Projektmanager bei Microsoft. Nach der Schliessung seines Departements folgten weitere Stellenwechseln. Er machte sich darüber Gedanken, eine politische Partei mit dem Fokus auf Datenaustausch, Copyright und Patente zu gründen. Mit grossem Erfolg  gründete er dann 2006 die Piratpartiet. 2011 trat er als Vorsitzender der Partei zurück und Anna Troberg nahm seine Stelle an. Zurzeit reist er herum und versucht die Ideen und Konzepten der Piratenpartei an den Leuten zu bringen.

Rickard Falkvinge, Gründer der Piratpartiet

Rickard Falkvinge, Gründer der Piratpartiet. Bildquelle: facebook.com/rickfalkvinge

Im Gegensatz zu Rick Falkvinge sieht der Werdegang von Anna Troberg ganz anders aus. Die Vorsitzende arbeitete bei einem Verlag. Auf ihrem Blog forderte sie die Piraten heraus, indem sie ihnen Fragen stellte. Als die Antworten sie zufrieden stellte, trat sie der Piratenpartei bei und arbeitete eng mit Rick Falkvinge zusammen.

Anna Troberg, Vorsitzende der Piratpartiet

Anna Troberg, Vorsitzende der Piratpartiet.
Bildquelle: piratpartiet.se

Wie sieht es bei unseren Schweizer Eidgenossen aus?

Präsident der Schweizer Piratenpartei ist Thomas Bruderer. Wie erwartet, hat er eine techniklastige Vergangenheit hinter sich. Er ist 30 Jahre alt und hat einen Masterabschluss in Informatik bei der ETH in Zürich. Er hat schon beim Onlin-Händler Digitec gearbeitet und ist zurzeit als Software Engineer beim berühmten Cloud-Speicher-Anbieter Wuala tätig. Zudem hat er eine Asienreise gemacht.

Thomas Bruderer, Präsident der Piratenpartei Schweiz

Thomas Bruderer, Präsident der Piratenpartei Schweiz.
Bildquelle: piratenpartei.ch

Der jetzige Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland ist Bernd Schlömer. Der Familienvater hat Sozialwissenschaften und Kriminologie studiert und arbeitet als Referent im Bundesministerium der Verteidigung. Er sieht sich als technisch wenig begabt und ist den Piraten beigetreten, da ihm die Debatten um Lauschangriffe und Speicherung der Bürgerdaten Sorgen bereitete und der liberale Ansatz der Piraten ihm gefiel.

Vorsitzender der deutschen Piratenpartei

Bernd Schlömer, Vorsitzender der deutschen Piratenpartei.
Bildquelle: flickr.com/photos/piratenpartei

Das sind die „hohen Köpfe“ der Piratenparteien von Schweden, Schweiz und Deutschland. Beim Rick Falkvinge bemerkt man, dass sein Werdegang ihm geprägt und dazu gefordert hat, die Piratenpartei zu gründen, da er in seinen jungen Jahren bereits die Ideologie der Piraten gelebt hat. Was mir auffiel, ist, dass zwar wie erwartet, viele in der Informatik tätig oder zumindest technisch begabt sind, dennoch ebenso viele Personen in den höheren Positionen aus vollkommen anderen Verhältnissen kommen. Alle der hier aufgezählten Personen haben eine hohe Ausbildung und sind in der Wirtschaft erfolgreich. Man kann also nicht davon ausgehen, dass die Piraten bloss faule, desorientierte Jugendliche sind, sondern es Personen dahinter stehen, die auch etwas von der Welt verstehen und sich sehr dafür einsetzen.

Das Vorurteil, dass Piraten nur aus Nerds (intelligente, aber sozial isolierte Computerfanatiker) bestehen, wird hier damit widerlegt.

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